· 

"Oh wüsst ich doch den Weg zurück..."

Ein Schüler fragte seinen Meister, warum dieser immer so ruhig und gelassen sein könne.

Der Meister antwortete:

"Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse dann esse ich."

Der Schüler fiel dem Meister ins Wort und sagte:

"Aber das tue ich auch! Was machst du darüber hinaus?"

Der Meister blieb ganz ruhig und wiederholte wie zuvor:

"Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich..."

Wieder sagte der Schüler: "Aber das tue ich doch auch!"

"Nein", sagte der Meister.

"Wenn du sitzt, dann stehst du schon. Wenn du stehst, dann gehst du schon. Wenn du gehst, dann bist du schon am Ziel."

Aus dem Zen-Buddhismus 

 

 Wie schön war es doch im besten Fall ein Kind zu sein. Einfach SEIN. Im Hier und Jetzt.

Eine geborgene Kindheit hält die Schlüssel zum Himmelreich in Händen. Vertrauen, Staunen, sich selbst entdecken und leben. Einfach leben. Jeden Tag aufs Neue! Und wenn man hinfällt, steht man wieder auf und weiter gehts!

Wie sehr kann ein Leben entgleisen, wenn in diesen ersten Jahren die Liebe und die Hand fehlt, an der man sich halten kann, wenn die eigene kleine Welt aus den Fugen gerät. 

Wie schnell vergessen wir "Er-wachsenen", was es bedeutet ein Kind zu sein?! Wir pressen sie in feste Formen, dass sie in unserem immer stressiger werdenden Alltag passen. Wir fördern hier und therapieren da, wir untersuchen, wenn etwas nicht "normal" abläuft und dabei brauchen sie nur Eines. Eine Hand, eine Stütze, Geborgenheit und Nähe! 

Alles aus der Angst der Eltern heraus, den Anschluss zu verpassen, nicht im Leistungssystem unterzukommen... 

Alles hat seine Zeit! Wenn ein Kind singen will, dann singt es, wenn es tanzen will, dann tanzt es und wenn es gesehen werden will sucht es sich eine Bühne. Wenn es Fußballspielen will, spielt es Fußball. Ungezwungen ist erst einmal die Devise. Wie schnell verliert es die Lust, wenn es für jedes noch so kleine Talent, das in ihm entdeckt wird in irgendeinen passenden Verein gedrückt wird. Natürlich ist es gut in den einen oder anderen Unterricht zu gehen und auch zusammen mit andern etwas erreichen zu wollen. Allerdings gibt es nichts was ein Kind mehr fördert und stabilisiert wie freies Spielen dürfen! Langeweile haben! Wie WICHTIG ist es auch einmal Langeweile auszuhalten! Die kreativsten Ideen entstehen dann. Man lernt mit sich selbst allein zu sein und mit sich auszukommen ohne sich gleich immer ins Äußere zu stürzen. 

Wie viele Menschen haben Beziehungen, die sie so eigentlich gar nicht führen wollen, nur weil es ihnen unerträglich ist allein zu sein. Wie viele machen sich abhängig von Menschen, Orten, Konsum, Medien, Alkohol und Drogen. Wenn wir ehrlich sind wahrscheinlich ausnahmslos Jeder in irgendeiner Art und Weise! 

Der Mensch bindet sich. Das liegt in der Natur unserer Welt. Doch versuchen wir darauf zu achten woran wir uns binden. Denn eines Tages verlassen wir diese Welt ebenso wie wir hineingewachsen sind und je nachdem woran wir uns festgemacht haben im Leben fällt uns dieser Gang leicht oder schwer. 

Und all die unerledigten Dinge, die wir unser ganzes Leben so gerne tun wollen und auf einen Lebensabschnitt schieben, wo wir dann genug Geld oder/und Zeit dafür haben werden uns daran hindern wirklich frei zu sein. 

Leben wir einfach! Und entdecken wir die Welt jeden Tag aufs neue. Staunen wir über Kleinigkeiten, freuen wir uns am Augeblick und vergessen wir nicht den Weg ins Kinderland. Auch die Kinder dieser Zeit haben es verdient Kinder zu sein und gerade in diesen Zeiten wird mit jedem Baby ein Prophet geboren, der uns an unser eigenes Wesen erinnern kann und uns den Weg zeigt, was es bedeutet glücklich zu sein! 

Wie oft renne ich einen ganzen Tag wie ferngesteuert durchs Haus mit all dem, was ich in meinem Kopf hab und wie knallhart ist der Moment wenn eines meiner großartigen Kinder mir lautstark den Spiegel vorhält und sagt: "Mama, du hörst mir gar nicht zu." Oder "Mama, du schaust mich heut gar nicht an!" Es kostet so viel Überwindung und ich schaff es oft nicht. Aber wenn ich den lieben Weg zurück ins Kinderland finde, dann könnte ich weinen vor Glück!

Man braucht keine leiblichen Kinder, um diese Momente erleben zu können. Nehmt euer innerliches Kind auf den Schoß und hört ihm zu, was es euch sagen will. Hört ihm zu, wenn es in eurer Kindheit niemand tat, nehmt es in den Arm und tröstet es, wenn es eure Eltern nicht konnten und liebt es. Denn den Kindern gehört das Himmelreich!

 

Eure Miriam

 

Oh wüsst ich doch den Weg zurück

Klaus Groth

 

O wüßt ich doch den Weg zurück, 
Den lieben Weg zum Kinderland! 
O warum sucht ich nach dem Glück 
Und ließ der Mutter Hand? 
O wie mich sehnet auszuruhn, 
Von keinem Streben aufgeweckt, 
Die müden Augen zuzutun, 
Von Liebe sanft bedeckt! 
Und nichts zu forschen, nichts zu spähn, 
Und nur zu träumen leicht und lind,
Der Zeiten Wandel nicht zu sehn, 
Zum zweiten Mal ein Kind! 
O zeig mir doch den Weg zurück, 
Den lieben Weg zum Kinderland! 
Vergebens such ich nach dem Glück –
Ringsum is öder Strand!

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0