· 

Brauchtum: Wurzeln und Flügel haben

"Ein tiefer Sinn wohnt in den alten Bräuchen." Friedrich Schiller 

Alle Bräuche und Traditionen, die wir hier kennen haben ihren Ursprung lange vor dem Entstehen des Christentums. Wer in der heutigen Zeit macht sich noch Gedanken über unsere Ahnen? Zum Glück trauen sich immer mehr Menschen einfach ihrem Herzen zu folgen und darin lebt nunmal unsere Geschichte. Und die beginnt nicht mit dem Christentum. Wir sind alle miteinander verbunden. Eben auch hinein in die Vergangenheit. Unsere Ahnen, die Germanen und Kelten glaubten, dass die Natur nicht nur das war, was Gott erschaffen hatte, sondern dass sie selbst belebt ist und ihre eigene Kraft, Macht und Bedeutung hat. Ein Baum war nicht einfach nur ein Baum, sondern ein verehrungswürdiges Wesen. Auch Quellen und Haine oder besondere Felsen hatten ihre zentrale Bedeutung, wenn es um Orte ging, von denen eine gewissen Kraft ausgeht. 

Und wer von euch, der das nun liest entdeckt nicht so eine Art Wiedererkennen in sich? Die Faszination Natur. 

Sonnen- und Mondbewegungen markierten die Feste, die symbolisch für das standen, was die Seele auf ihrer Reise insgeheim beschäftigt und begleiteten das geistliche Leben.

Dies war so tief in den Menschen verwurzelt, dass die Kirche nicht anders konnte, als sich der Beziehung zwischen den Menschen und den Kräften der Natur anzupassen. Egal wo Missionierung stattfand wurde übergestülpt und draufgesetzt! Mal mehr mal weniger grausam und selten einfühlsam. Im Wahn das Evangelium zu verbreiten, eigentlich ja die "Gute Botschaft", schoss man definitiv über das Ziel hinaus.

Und versteht mich hier bitte richtig! Ich möchte niemandem die christliche Religion oder Zugehörigkeit zu einer Kirche absprechen. Das einzige was mich bewegt ist, dass wir doch endlich aufhören können zu spalten! Katholisch bedeutet "allumfassend" oder noch präziser ausgedrückt "Teil des Ganzen".

Ich bin Jemand, der etwas entweder ganz oder garnicht macht. Und ich habe eine bewegte Reise mit der Religion hinter mir. Der Stimme in meinem Herzen konnte ich noch nie entkommen und auf Dauer hatte ich nunmal meine Probleme damit mir Dogmen auferlegen zu lassen, an die ich glauben muss, um dazugehören zu dürfen.

Das hat für mich nichts mit dem Evangelium zu tun.

Wie bereichernd ist es wenn man eine Lehre in dem Bewusstsein lebt, dass auch diese aus etwas schon Vorherigem heraus erwachsen ist?!

Warum bitte sitzten wir an Weihnachten denn um einen WeihnachtsBAUM? Wir schmücken ihn und verehren ihn in seiner Schönheit und Stärke. Wir genießen den Duft, der von seinen immergrünen Zweigen als Symbol der Hoffnung ausgeht und Lichter strahlen von ihm zu uns herab. Licht! Die Geburt des Lichtes als Sinnbild für Jesu Geburt. Der Beginn der Hoffnung. Wann feiern wir dieses Fest? Zur Wintersonnenwende. Wie auch unsere Ahnen und Vorfahren es bereits taten und das aus demselben seelischen und geistlichen Hintergrund heraus, wie es das Christentum tut. Jesus sagt von sich selbst, dass er nicht komme, um das Gesetz zu brechen, sondern um es zu erfüllen. Das Gesetz der Natur. Der Schöpfung!

So manche Kathedralen wurden an Orten errichtet, die für die Menschen schon allezeit vorher als "Kraftorte" dienten und für bestimmte Rituale aufgesucht und verehrt wurden. Feldkreuze stehen heute noch an solchen Stellen, wo zuvor alte Bäume standen. Oder der Baum steht sogar noch, aber darunter hat nun eine kleine Kapelle ihren Platz.

Wir müssen nur die Augen aufmachen um zu erkennen wer wir sind. Verbunden mit den Wesen der Natur und geführt durch die Laufbahnen der Gestirne können wir unser eigenes Wesen wieder entdecken. Und wer zwischen den Zeilen zu lesen vermag wird auch in der Wissenschaft nichts anderes entdecken. Denn die Dinge selbst folgen den allumfassend vorherrschenden Gesetzen bedingungslos. Somit ist alles ein Teil des Ganzen! Alles ist da! Um uns herum und vor allem in uns drin!

Wie Jesus Christus so schön sagte: "Selig sind eure Augen, dass sie sehen und eure Ohren, dass sie hören."

 

Eure Miriam

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0