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Leid

"Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen." Epiktet

 

Schlechte Nachrichten, Todesfälle, schlimme Krankheiten; Kurz Leid, Schmerz, Angst und Tod! Wie sehr fürchten wir uns davor. 

Nun erlebe ich als Sängerin ja viele Beerdigungen. Die meisten Gott sei Dank aus einem gewissen Abstand, da mir die Menschen unbekannt sind, für welche ich in einer sehr schweren Stunde meine Stimme zum Himmel erhebe. Zuvor bespreche ich immer mit den Angehörigen welche Stimmung bei der Abschiedsfeier erwünscht ist. Die einen wollen ihrer Trauer Ausdruck verleihen und Melodien und Worte hören, die die Tränen erst recht laufen lassen. Die anderen wollen eher durch den Gesang getröstet werden, dass es weitergehen wird. Für den Verstorbenen sowie für die Hinterbliebenen. Und wiederum andere feiern! Sie feiern den Heimweg der Seele. Auch empfinde ich immer die Atmosphäre unter den Angehörigen. Ungesagte Worte schweben wie böse Geister im Raum. Wohingegen man sofort spürt, wenn eine Familie die Zeit und den Mut hatte offen und ehrlich mit der Situation umzugehen. Das erfordert sehr viel Mut. Denn meistens will man es einfach nicht wahrhaben und redet gerne um den heißen Brei. Allerdings sorgt das einzig und allein für Einsamkeit.  Es ist so wichtig das Kind beim Namen zu nennen. Leidvolle Momente und Zeiten gehören zum Leben hier unten nun einmal dazu. Und es möchte einem bei der einen oder anderen Geschichte das Herz zerreißen. 

Meine Faszination gilt dem Prozess, den der Mensch in diesen Zeiten durchläuft. Wie sehr wir doch selbst bestimmen können, was all das Leid mit uns macht und wie es mit uns weitergeht! 

Auch ich musste in den vergangenen Jahren erfahren, dass alle Gefühle gefühlt werden möchten und dass ein Verdrängen oder Wegschieben letztendlich noch mehr Leid und Schmerz zur Folge hat. Diese Gefühle wollen regelrecht angenommen und verdaut werden. Wohin man dabei seinen Blick richtet ist entscheidend. In jedem Leben gibt es trotz des Leids Schönheit, Freude, Dankbarkeit und vor allem Liebe! 

Wie paradox sind diese Geschichten?! Gerade in schweren Zeiten tritt das schönste Gesicht des Menschen zu Tage. Man hält zusammen, ist füreinander da und liebt! Grenzenlos und unverfälscht! 

In schweren Zeiten können Familien zusammenwachsen, wie es nie zuvor war oder sie brechen auseinander. Aber in Traurigkeit zusammenzustehen und den Mut zu haben diese Zeiten gemeinsam zu erleben. Das macht uns unfassbar reich! 

Was auch immer der Sinn des Ganzen hier auf Erden ist. Wir wissen es nicht! Mir gefällt da ein Spruch von Oscar Wild sehr: "Nicht die Vollkommenen, sondern die Unvollkommenen brauchen die Liebe." Anders ausgedrückt. Nur in der Unvollkommenheit wird geliebt. Da gibt es ja die alten Mythen und Sagen von den griechischen Göttern im Olymp. Die vollkommenen Götter des Olymp beneideten die Menschen um ihre Fähigkeit zu lieben. Sie ließen sich bisweilen auf die Erde herab um die Liebe erfahren zu können. In diesem Licht steht für mich Jesus Christus auch für uns beispielhaft als Mensch! Ein Mensch der sich entschied aus seiner Göttlichkeit heraus Mensch zu werden, um zu lieben. Und wie schwer das Bild seines Opfers für mich immer zu begreifen war, in der Weise wie das apostolische Christentum es darstellt. Desto lebendiger und erfüllter ist für mich der Gedanke, dass der Christus immer wieder der Menschheit zeigt, dass die Liebe in ihrer vollkommenen Schönheit nur in einer unvollkommenen Welt existieren kann. Wir haben uns wie Christus entschieden Menschen zu werden, um lieben zu können und unserer Seele Zeit und Raum zu verleihen, um wachsen zu können. Der eigentliche Verlust besteht nicht in der Materie. Es kommt darauf an woran man sich bindet! Die Möglichkeiten, die wir hier erhalten, um zu lieben, können genutzt oder ungenutzt bleiben. Diese Entscheidung trifft hier jeder noch einmal für sich als Mensch. Der Himmel auf Erden allein ist die Art und Weise, wie wir die Chancen hier nutzen und wie wir mit Schicksalsschlägen umgehen. Stehen wir zusammen und leben ein Miteinander oder geben wir der Dunkelheit Raum, um uns immer weiter zu entzweien und uns von unserem Wesen zu entfernen.

Bald beginnt der Advent. Die Ankunftszeit. Versuchen wir bei uns selbst anzukommen und uns auf die Geburt des Lichtes zu freuen! Das Universum und seine Gestirne weisen uns den Weg. Ob im alten Ägypten, bei den Inkas, den Kelten oder eben den heiligen drei Königen aus dem Morgenland! Jede Kultur trägt die Geheimnisse des Einen im Kern verborgen.

Nutzt die Rituale und Feste für euch, die euch und euren Familien gut tun. Setzt euch gemeinsam an einen Tisch und tut es in dem Gedächtnis, dass immer wenn Menschen in Liebe zusammenkommen Gott selbst gegenwärtig ist.

 

Eure Miriam

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