· 

Masken fallen

„Bisher habe ich viele Masken gesehen; wann werde ich menschliche Gesichter sehen?“ J. Rousseau

Mein gestriger Artikel handelte von Enttäuschungen und von der Chance, die sie uns eigentlich bieten können, wenn wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Auch Menschen enttäuschen uns oft. Oder wir enttäuschen Jemanden, nicht zu letzt uns selbst. Wie kommt das? Wenn wir uns verstellen und Masken tragen. Wenn wir nicht wir selbst sind. Wer sagt schon die Wahrheit? Die gängigste Smalltalk-Floskel schlecht hin ist doch: „He schön dich zu sehen! Wie gehts dir?“ Und welche Standart-Antwort kommt da wie automatisch aus jedem von uns heraus:“He, ja auch schön dich zu sehen! (Wirklich?) Danke, gut gehts mir! (Echt?) Und dir?“

Ist ja prächtig, wenn sich zwei Menschen freuen einander zu begegnen und ist ja toll, wenn jemand einen sonnigen und freudigen Tag hat. Aber mal ehrlich! Wie oft hat man keinen Bock aus dem Haus zu gehen, weil man keine Lust hat sich eine Maske aufzusetzen und so zu tun, als ob alles beim Besten wäre? Das Leben besteht aus Höhen und Tiefen und aus Freude und Leid! Es folgt dem ursprünglichstem Rhythmus der Existenz und alles hat seine Zeit!

Was ist so schlimm wenn man zwar einen Bekannten im Supermarkt trifft, aber einfach keinen Bock hat gleich hinzurennen und diese „Hallo, wie gehts dir?“-Sache durchzudrücken? Jeder für sich weiß, dass das selten was mit dem Anderen zu tun hat, sondern meistens mit einem selbst und mit der Stimmung in der man gerade ist. Auch in engeren Beziehungen wie Freundschaft, Partnerschaft oder in der Familie muss man dem anderen ja auch mal seine „Tage“ eingestehen können ohne dass man das gleich auf sich bezieht und ununterbrochen analysiert, was jetzt schon wieder im Argen ist. 

Andererseits, wie oft passiert es mir, dass ich schlecht drauf bin und unfassbar liebesbedürftig, emotional und einfach mal jemanden bräuchte, der mir zuhört! Anstatt es mir selbst einzugestehen, dass ich heute Hilfe und Zuwendung bräuchte und es meinem Mann einfach zu sagen, schleich ich tagelang grummelnd um ihn rum, motz ihm im Vorbeigehen irgendwelche längst überfälligen Anschuldigen an die Backe und erwarte insgeheim, dass er mich mal zur Seite nimmt und fragt, was denn los sei. WENN er das dann tatsächlich tut kommt: (Na wer weiß es?) ... Genau: „Ach nichts!“ Und weiter geht das Ganze bis es knallt! Ok, Gewitter kühlen ab und reinigen die Luft. Aber muss die so künstlich aufgeladen werden? Mein Mann kennt mich Gott sei Dank schon lang genug,... denkt sich nicht viel dabei, lässt mich spinnen und wenn ich dann einknicke, nimmt er mich in den Arm und hält mich einfach nur fest, bis ich anfange zu reden. Nur hätte ich das ja auch gleich haben können, wenn ich ihm gesagt hätte: „Schatz nimm mich mal in den Arm. Ich will nicht gleich drüber reden, aber das brauch ich jetzt einfach!“ Andere sollen immer riechen wie es mir geht und ich denke deshalb auch ich muss riechen können, was andere hinter dem was sie sagen vielleicht wirklich meinen?! Ahhhh! Und wie wäre es, wenn jeder sagt, was er wirklich sagen möchte und alles andere ist dann Jedermanns eigenes Problem?!

Wenn Masken fallen und Menschen ihr wahres Gesicht zeigen, knallt es und Enttäuschungen machen sich breit. „Das hätte ich aber nie von dir gedacht!“ ...Ect. Ect.!

Wie angenehm, befreiend und erfrischend ist es da Menschen zu begegnen, die wirklich mal ehrlich sind?! 

Wir sind doch alle Menschen. Machen wir uns doch nichts vor! Jeder hat seine Ausraster, schlechten Tage und gewissen Momente. Mancher hat Gelüste, Triebe und unerfüllte Leidenschaften oder Gefühle mit denen er selbst nicht zurechtkommt. Dann kann man ehrlich zu sich selbst sein und wenn man meint absolut nicht darüber mit seinem Partner oder seinen Freunden sprechen zu können, dann eben mit Jemandem, dessen Beruf(ung) es ist, anderen bei der Suche nach sich selbst zu helfen. Jemand Neutrales, der dir den Spiegel vorhält, insofern du dort nicht auch eine Maske trägst.... Zu einem Psychotherapeuten zu gehen ist doch heute keine Schande mehr. Im Gegenteil! Es zeigt doch aus wie viel mehr der Mensch besteht als nur aus Körper! Denn alles was dir Unfriede bereitet will dich aufmerksam machen auf einen Umstand in deinem Leben, der nicht passt. Und sobald dir das bewusst wird kannst du entweder deinen Frieden machen mit dem Umstand oder du änderst dein Leben. Manchmal bedeutet Liebe auch eine Tür zuzumachen, bevor das sich verstellen müssen zu tiefe Wunden und Narben hinterlässt. Die Offenbarung wird dann erst recht heftig für alle Beteiligten. Und des Öfteren richtet sich deine Seele gegen einen selbst und Krankheiten entstehen. Psychisch wie körperlich.

Ich weiß, dass es hart klingt. Der richtige Weg ist selten der bequeme. Aber auch da kann schon der erste Schritt zum Ziel werden und du wirst die Freiheit und den Frieden spüren, vom ersten Moment in dem du auf dem Weg gehst.

Nehmen wir die Masken ab und zeigen unsere menschlichen Gesichter in all ihrer unvollkommenen Schönheit!

 

Eure Miriam

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0