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Traum oder Albtraum

"Je näher man an seinen Traum herankommt, desto mehr wird das persönliche Lebensziel zum eigentlichen Lebensweg."

Aus "Der Alchimist" von Paulo Coelho.

Auch wenn ich den Alchimisten bereits mehrmals gelesen habe, der #bytheway mittlerweile zu meiner persönlichen Bibel geworden ist, blieb mir dieser Satz immer ein Rätsel. Wie bei allem was aus Paulo Coelhos Feder kommt denkt man sich: "Wow, ja wie tiefsinnig!" Doch was es bedeutet diesen Satzes wirklich zu verstehen bemerkte ich erst als ich die Veränderungen bemerkte, die es in meinem eigenen Leben und meiner Seele bewirkte.

Wenn man an jedem Tag seinen Traum lebt und nicht mehr darauf wartet, dass endlich etwas lang Ersehntes in Erfüllung geht, dann ist das Ziel der Weg. Gut, jetzt bin ich ja auch gerade erst Anfang Dreißig und ich mach mir nichts vor, dass da noch so Einiges auf mich zu kommen wird. Aber man kommt dem Kern seines Selbst immer näher, man bereut nicht mehr und lebt in innerem Frieden mit dem was ist. Das was kommt, erwartet man dankbar und lässt sich vom Leben beschenken. Dankbarkeit ist der Schlüssel zu allem. "Denn nur, wer zu Danken weiß, weiß zu Bitten." Und sind wir nicht alle noch eine Generation, die irgendwo mal die mystischen Worte gehört hat: "Wer bittet, der empfängt. Wer anklopft, dem wird aufgetan und wer sucht, der wird finden." Wenn du dein eigenes Leben leben möchtest und dabei deine dir ins Herz geschriebenen Träume verwirklichen möchtest, die dich niemals ausbrennen lassen und die jeden gelebten Tag zum Ziel deines Lebens machen, dann gibt es nur einen Ort an dem du suchen kannst und nur eine Tür an die du klopfen kannst und nur einen Gott den du bitten kannst. Suche in dir, klopf an deine eigene Herzenstür und bitte deinen Gott. Denn so abstrakt und abgehoben ist einer der berühmtesten Sätze der Menschheit gar nicht:

"ICH BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben!" Ja das ICH SEIN, ist der Weg die Wahrheit und das Leben. 

Und so werden Träume Wirklichkeit, denn sie werden mit dir in deinem Herzen geboren und nehmen ihren Anfang im Geist, in deinen Gedanken. 

Ich persönlich bin mit einer Stimme geboren, die sich vom ersten Laut an unüberhörbar Gehör verschafft hat. Oft zum Leidwesen meiner Mitmenschen. Es musste nun mal raus. Dann kam das Singen. Wie besonders meine Stimme sei, hab ich schon sehr früh und ab da sehr oft in meinem Leben gehört. Gesangsunterricht, großartige Menschen, die meine Stimme weiter gebracht haben, Stück für Stück. Ins Jungstudium an die Hochschule für Musik und Theater nach München, dann das Hauptstudium und dann hats geknallt. Ich kam mit meiner Stimme nicht klar, weil ich nicht wusste, wer ich bin und meine Stimme wollte auch nicht mehr so wie mein Ich das wollte.

Ich wollte singen, ja unbedingt und am besten als Weltstar! Aber warum wollte ich das? Um berühmt zu werden? Um Anerkennung zu erhalten? Eigentlich wollte ich doch Familie und heiraten und einfach nur glücklich sein. Ich war ja bereits am Theater und da hörte man ständig, wie schwierig es sei diesen Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. 

Und auf einmal war alles, für das mich interessierte das Geheimnis des Lebens. Diesem Feuer in mir auf den Grund zu gehen. Herauszufinden, wie so unterschiedliche Träume zusammenpassen konnten.

So hatte ich mich zunächst auf mich selbst konzentriert. Ich kannte mich selbst so wenig, dass ich Angst hatte verloren zu gehen.

Anschließend begann eine faszinierende Zeit mit extremen Höhen und Tiefen und einem kompletten Zusammenbruch am Ende. Eine spannende Reise zu Gott und zu mir selbst, zu der ich an anderer Stelle bestimmt noch vieles anzumerken habe.

Wichtig ist nur, dass ich dankbar bin. Dankbar dass ich auf den Ruf meiner Herzenswünsche gehört habe und versucht habe das Rätsel meines eigenen Lebens in mir selbst zu lösen, anstatt es so zu machen, wie man es eben macht, um erfolgreich zu werden. Nicht auf äußerliche Leistung zu setzten und mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Denn dann wäre mein ursprünglicher Traum sicherlich zu einem Albtraum geworden. 

Ich habe das Risiko in Kauf genommen, dann ganz abgeschrieben zu sein. Gesungen hab ich zwar immer. Aber von der Oper hab ich mich zurückgezogen, habe meinem Ich Zeit gegeben, habe meinen Gott gefunden und bin meiner inneren Stimme gefolgt. 

Alles in allem hat dazu geführt, dass nach vielen Ereignissen und den Geburten von zwei wundervollen Kindern auch meine äußerliche Stimme nun mit einer Freiheit direkt aus dem Herzen kommt, die ich nie für möglich gehalten hätte.

Als Kirsche auf der Sahnehaube hat die Oper nun wieder mich gefunden. Nicht nur das. Es stehen für die nahe und fernere Zukunft so viele großartige Projekte an, in welcher ich meiner Stimme ungehindert Ausdruck verschaffen kann. Ganz so, mit dem künstlerischen Anspruch, den ich immer an mich selbst hatte. Und das alles mit meinem wundervollen Mann und meinen Kindern als mein höchstes Gut.

Das Singen gibt mir Raum für meine Emotionen und für die Stimme in meinem Kopf hab ich jetzt ja auch etwas. Meinen Blog hier. 

Und die Stimme in meinem Kopf will euch sagen:

Traut euch eure eigenen Wege zu gehen, so unmöglich sie euch erscheinen. Traut euch, zu euch selbst zu stehen auch wenn ihr nicht der Norm entsprecht. Seid ihr selbst. Ihr seid als Original geboren. Zu viele sterben als Kopie beim Bestreben danach immer jemand anderes zu sein. Euer ICH ist euer Weg und somit euer Ziel!

 

Eure Miriam